Montag, 29. August 2016

Immer der Saône nach

Letztes Jahr hatten wir den Kindern eine Hausboot-Tour geschenkt. Und dieses Jahr ging es nun ans Einlösen. Da Bekannte die Tour schon mal vor einigen Jahren gemacht hatten, fiel die Wahl auf die Saône [gesprochen soːn], einem Fluss im Osten Frankreichs – also gar nicht so weit weg. Er entspringt in den Vogesen und fließt in Lyon in die Rôhne.
 
Leinen los und ab geht die Fahrt. Wir haben uns den nördlicheren Teil in Burgund ausgesucht, von Saint-Jean-de-Losne bis Scey-sur-Saône. Da ist weniger los – sprich hier gibt es so gut wie keine Berufsschiffahrt mehr. 
Zur Crew gehört auch der Krautgärtner-Sohnemann, der als erster Offizier fast die gesamte Strecke das Boot steuerte, und das waren doch gut 275 km. Dazu die Krautgärtner-Sohnemann-Familie, die als Leichtmatrosin und Schiffshund anheuerten.
 
Von Anfang an hatten wir tierische Begleiter, die uns neugierig beobachteten.
Die kleinen Städte wie hier Gray wirken sehr malerisch. Allerdings bemerkt man überall die Landflucht. Viele Häuser stehen leer und auf den Dörfern gibt es nur noch selten einen Metzger oder andere Lebensmittelgeschäfte. In einem Fremdenfüher wird sarkastisch vermutet, man begehe das 20-jährige Jubiläum eines Fassadenerneuerungsverbotes.
Der Kapitän hat alle Aufgaben verteilt. :-)
 
Die ersten Schleusen sorgten noch für etwas Unruhe, die aber sehr bald in Routine überging.
Wasser marsch!
 
Bergauf brodelt es schon ganz schön, wenn die Schleusenkammer geflutet wird. Die allermeisten der Schleusen sind mittlerweile vollautomatisch und werden über einen Schalter mit Gummischlauch-Verlängerung gesteuert, der über dem Fluss hängt.
 
Im Vergleich zu Deutschland gibt es noch schier unendliche Flussabschnitte, die nicht verbaut sind. Auenwälder, soweit das Auge reicht - auch wenn der Fluss schon seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts vollständig für die Schiffahrt reguliert und umgebaut wurde.
 
Das Wasser hat aber überall Badequalität. Und wir hatten traumhaftes Badewetter.
Die Frau Krautgärtnerin braucht etwas länger, um in das Wasser zu kommen. Da kommen doch die Fischlein und schauen sich den neuen Besucher neugierig an.
Man kann hier überall Halt machen, um zu schwimmen oder zu übernachten.
Eine Besonderheit beim Ausbau des Flusses sind die Tunnel, über die die Strecke deutlich abgekürzt wurde. Hier die Einfahrt zum Tunnel Seveux-Savoyeux. Die Bauzeit im 19. Jahrhundert hat bedingt durch die Handarbeit schon ziehmlich lange gedauert. So wurde der Tunnel de Saint-Albin von 1837 bis 1880 gebaut und somit fast rechtzeig zum Ende der unmotorisierten Flussschiffahrt fertig.
Heute sind die Tunnel eigentlich nur noch Attraktion für die Touristen. Auf der ganzen Fahrt ist uns im Oberlauf der Saône ein einziger Lastenkahn  begegnet.
Aber auch sonst herrscht auf dem Fluss wenig Verkehr. Hin und wieder mal ein Hausboot, dem dann freudig gewunken wird, oder auch mal ein Kanu oder Schwimmer.
Angeln ist das ganz große Hobby der Franzosen. Da konnte ich auch nicht widerstehen und habe eine Wochenkarte gelöst. Ausbeute fast Null. Einen kleinen Flussbarsch, den ich jedoch wieder reingesetzt habe. Aber auch bei allen Anglern, die am Flussufer saßen, haben wir nie jemanden gesehen, der einen nennenswerten Fisch an Land gezogen hätte. Nur am letzten Abend hat ein Angler im Hafenbecken einen Wels von ca. 40 cm gefischt.
Füttern verboten? Was in Deutschland fast überall verboten ist, wird hier noch etwas entspannter gesehen. Vielleicht liegt es ja auch an der typischen Brotsorte Baguette. So lecker es die Franzosen backen, am nächsten Tag taugt es meist nur noch zu Entenfutter. :-)
Drei Zimmer, Küche, Bad. So könnte man das Hausboot beschreiben. Die Frau Krautgärtnerin als Smutje hat die durchaus sehr gut eingerichtete Küche zu ihrem Reich erklärt. Eine Spülmaschine gab es nicht. So mussten die Leichtmatrosin und der Erste Offizier den Abwasch übernehmen. Oder habt Ihr schon mal einen Kapitän beim Abtrocknen gesehen? Ich auch nicht.
Ich musste mich ja um das Schiff kümmern und navigieren. (Kommentar der Frau Kräutgärtnerin: *hüstel-hust*) Aber verfahren kann man sich hier ganz bestimmt nicht. Deshalb lautet das Resümee des Käpt'n Krautgärtner mit Crew: Eine Hausboot-Tour im Oberlauf der Saône ist definitiv eine Empfehlung wert!

Freitag, 26. August 2016

Mirabellen-Jahr

Nachdem wir nun zwei Wochen mit dem Hausboot in Frankreich rumgeschippert sind, hat uns hier der Alltag wieder. Insbesondere die Ernte auf dem Acker und im Garten läuft auf vollen Touren - Tomaten, Kartoffeln, Paprika, nochmal ein ordentlicher Schwung Grüne Bohnen, Karotten, Zwiebeln, Zucchini. Derzeit schwelgen wir in Gemüse-Genüssen und so manches geht in den Vorrat.

Und dieses Jahr gibt es auch mal wieder Mirabellen. Der Baum im Nachbarsgarten trägt nur sporadisch. Doch wenn er trägt, hängt er übervoll. Ob dieses Überflusses sind wir von unseren Nachbarn mit einem Schwung Mirabellen bedacht worden. *freu* Da war diese Tarte ein Muss!

Mirabellen-Tarte
Teig 
200 g Mehl 
100 g Butter 
60 g Zucker 
1 Eigelb 
1 EL Crème fraîche 
1/2 TL abgeriebenen Zitronenschale 
1 Prise Salz

Belag
500 g entsteinte Mirabellen 
1 EL Zuckerrübensirup
1 EL brauner Zucker 
2 EL Butter 
1 Ei 
100 - 150 g Crème fraîche 

Für den Teig das Mehl mit Butter, Zucker, Eigelb, Crème fraîche, Zitronenschale und Salzverkneten. Mit dem Teig eine gefettete Spring- oder Tarteform auslegen. Für etwa eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen. 

Backofen auf 200° C vorheizen. Den Teig mit einer Gabel einstechen und dann 8-10 Min.  vorbacken. Inzwischen für den Belag Butter, braunen Zucker und Zuckerrübensirup schmelzen. Die Mirabellen dazugeben und kurz mitgaren. 

Das Ei mit Crème fraîche verrühren. Auf dem vorgebackenen Teigboden verstreichen und mit den Mirabellen belegen. Nochmals im vorgeheizten Backofen bei 200° C ca. 20 Min. backen.

Gefunden in der Landlust

Donnerstag, 4. August 2016

Quick and dirty

Auch im Juli haben wir uns wieder der Challenge "Monats-Menü" gestellt. Und diesmal war es eine kleine Herausforderung. Nicht so sehr wegen der Zutaten - an Ideen für ein Menü mit Nektarinen, Süßkartoffeln, Champignons, Tomaten, Frischkäse, Crème fraîche, Thunfisch, Mehl und Sesam mangelte es nicht. Aber an Zeit und Muse zum ausführlichen Kochen und der entsprechenden Inspiration für die Fotos. Deshalb lautet das Motto dieses Menüs schlicht und ergreifend:

Quick and Dirty
ein Juli-Menü

Vorspeise
 Tomatensalat - ganz klassisch mit Basilikum, Olivenöl und Aceto Balsamico -
& Thunfisch-Frischkäse-Creme
 
dazu selbstgebackenes französisches Baguette.
 
Das Baguette war die langwierigste Aktion des Menüs. Aber wie so oft beim Brotbacken, steht man ja nicht toujours in der Küche, sondern muss bloß zum rechten Zeit zur Stelle sein. ;-)

 Hauptgericht
Gebackene Süßkartoffel gefüllt mit gemischten Pilzen und Kidney-Bohnen,
dazu ein Crème fraîche-Dip.
Sehr wiederholenswert. Die Süßkartoffel hätte einen Tick länger im Ofen bleiben können und ich empfinde es eher als Herbst-/Winter-Gericht. Aber in dieser Zeit wird es das garantiert wieder geben. :-P

Nachspeise
Himbeer-Nektarinen-Salat mit Sesam-Krokant
Einfach fix zusammengerührt und auch das Krokant ist in weniger als 10 Minuten fertig.
Ihr seht - auch mit wenig Zeit lässt sich auf die Schnelle was basteln. ;-)

Montag, 1. August 2016

Freitag, 29. Juli 2016

Klar-Apfel-Ernte

Die Klarapfel-Ernte im Schrebergarten meiner Großeltern - dem Flauchergarten - war für uns Kinder immer ein Riesen-Event. Die ganze Großfamilie traf sich dann im Schrebergarten und der große Apfel-Hochstamm wurde gemeinsam abgeerntet. Je nach Temperament kletterten die einen in den Baum, anderen standen unten und fingen die Äpfel vorsichtig auf. Wieder andere gaben lauthals Anweisung, wo im Baum noch Früchte hingen. So füllten sich die mitgebrachten Waschkörbe ziemlich schnell mit der druckempfindlichen Ware.
Wenn die Transport-Behältnisse dann alle voll waren, fuhren wir geschlossen zu den Großeltern. Dort wurden ebenfalls in einer Gemeinschafts-Aktion die ersten Apfel-Kücherl der Saison gebacken. Während die größeren Kinder zum Apfelschälen und In-Ringe-Schneiden abkommandiert wurden, halfen die kleineren mehr oder weniger freiwillig beim Tischdecken. Zeitgleich waren die Erwachsenen damit beschäftigt, den Teig anzurühren, Kaffee zu kochen und genug Stühle ranzuschaffen.
Und dann ging es endlich los - in mehreren Pfannen wurden die teigumhüllten Apfelringe ausgebacken, noch heiß in Zimt-Zucker gewälzt und sofort serviert. So schnell konnten die nächsten Fuhren gar nicht nachgebruzzelt werden, wie die Apfel-Kücherl in den hungrigen Mündern verschwanden. Aber da es ja waschkörbeweise Nachschub gab, wurden schlussendlich immer alle satt.

Selbstverständlich gehört auch heute bei uns eine Runde Apfel-Kücherl unabdingbar zur Klarapfel-Ernte. Denn auch in unserem jetzigen Garten steht ein Klarapfel-Hochstamm.

Apfel-Kücherl

- etwas dicker als normal angerührt -
- oder ein anderer guter Backapfel -
Butterschmalz
Zucker
Zimt

Äpfel schälen und in Ringe schneiden. In den Pfannkuchenteig tauchen und in einer Pfanne im heißen Fett von beiden Seiten goldgelb braten.

 Heiß in Zimt-Zucker wälzen und sofort servieren.
Die Apfel-Kücherl waren immer der Auftakt zu weiteren Apfel-Gerichten, die es traditionell in dieser Zeit bei uns gab. Schließlich nahm jede Kleinfamilie noch mindestens einen Waschkorb voll Äpfel vom Klarapfel-Ernte-Familienfest mit nach Hause. ;-)

Hier findet ihr viele altbewährte und neue Ideen zur Apfelverwertung: